• Ulrich Fiechter

Jeder zweite Franken wird im Ausland verdient!


Bundesrat Johann Schneider-Ammann sagte dies in einem Interview (Tagblatt 20.01.2017) und verschiedene Wirtschaftssachverständige äussern sich im gleichen Sinn. Was ist damit gemeint, der Verkaufserlös im Ausland oder der Beitrag zu unserem Wohlstand? Welche Bedeutung hat diese Aussage für die Schweiz? Ein Blick auf die Exportstatistik und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zeigt, dass die Exporte im Jahr 2016 ca. 65% des BIP (Bruttoinlandprodukt) ausmachten. Diese einfache Betrachtung berücksichtigt jedoch noch nicht, dass ein Teil der Exporte auch Importe umfasst (Reexporte), deren Wertschöpfung im Ausland erfolgte. Der Anteil der Reexporte wird jedoch in der Statistik der Schweiz nicht ausgewiesen. Lediglich das SECO erwähnt eine Schätzung für Deutschland aus vergangenen Jahren, nach der die deutschen Exporte im Jahr 2002 ca. 40% der Importe beinhalteten. Wegen der fehlenden Statistik können wir die im Titel erwähnte Aussage für die Schweiz nicht zuverlässig beurteilen.

Wird für die Schweiz angenommen, dass der Anteil der Importe, die für Exporte verwendet werden, zwischen 30% und 50% beträgt, dann macht der Anteil der Wertschöpfung durch Exporte am BIP Schweiz in den Jahren 2012 bis 2016 knapp die Hälfte aus. Die nachfolgende Grafik zeigt zudem die Entwicklung seit dem Jahr 1995.


An diesem Verlauf fällt besonders auf, dass der Anteil der Wertschöpfung am BIP aus den Exporten seit über zwanzig Jahren gestiegen ist. Eine wichtige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass viele Exporterlöse dem Import von Gütern und Dienstleistungen dienen, die andere Länder besser oder auch billiger als wir herstellen können. Die Wertschöpfung aus dem Export ist deshalb eine wichtige Quelle zur Steigerung unseres Wohlstandes und zur Verbesserung unserer Lebensqualität. Ohne Exporte wäre die Schweiz eine im Vergleich mit anderen Ländern ärmliche Selbstversorgungswirtschaft. Diese grobe, aber einprägsame Aussage „Jeder zweite Franken wird im Ausland verdient“ gilt also weiterhin. Dabei ist jedoch immer zu beachten, dass sie sich nicht auf den Exporterlös sondern auf die Wertschöpfung bezieht.

Was können wir also tun, um die Wertschöpfung im Exportbereich zu erhöhen? Wir können zum Beispiel im Inland die Qualität der Ausbildung verbessern. Auch die Steigerung der Innovationskraft kann zu einer höheren Wertschöpfung beitragen. Wir verbessern die Wertschöpfung ebenfalls, wenn die Produktion von Gütern und das Erbringen von Dienstleistungen für das Ausland bei gleichen Verkaufspreisen kostengünstiger werden. Dazu wären beispielsweise folgende Massnahmen hilfreich:

  • Den Haushalten und KMU den freien Marktzugang für die Nutzung von Elektrizität gewähren.

  • Das Tempo in der CO2-Reduktion auf ein weltweit vergleichbares Niveau senken.

  • Den Wettbewerb im Binnenmarkt durch konsequentes Ausschreiben von Aufträgen erhöhen.

  • Die Infrastruktur für die Digitalisierung in raschen Schritten ausbauen.

  • Die Effizienz im Gesundheitswesen steigern, und dadurch die Krankenkassenprämien und die Arbeitskosten entlasten.

Aber auch der gesamte Verkehrsbereich könnte einen wichtigen Beitrag leisten. Verkehrsstaus wirken nämlich wie Sand im Getriebe, verteuern die Produktion und schmälern unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.

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