• Ulrich Fiechter

Elektromobilität mit 50 Rp/kWh

Aktualisiert: Sept 29

Das Umsteigen von Autos mit Benzinmotor auf Elektrofahrzeuge wird heute immer mehr durch verschiedene Vorschriften und andere Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses forciert. Dabei wird eher selten auf die Bedeutung der Steuererträge aus dem Benzinverkauf hingewiesen. Diese machten jedoch im Jahr 2018 rund die Hälfte der öffentlichen Einnahmen aus dem Strassenverkehr aus und deckten dadurch etwa 40% der Strasseninfrastrukturkosten (vgl. BFS). Die Vernachlässigung der Mineralölsteuer beim Vergleich der Kosten der beiden Antriebsarten führt zu falschen Rechnungen, wie beispielhaft der folgende Zeitungsbericht zeigt.


In der NZZ-Ausgabe vom 03.04.2021 werden unter dem Titel, «Gegen Elektroautos spricht nur noch wenig», Investitions- und Betriebskosten eines Benzin- und eines Elektroautos miteinander verglichen (VW-Golf; Fahrstrecke 15'000 km pro Jahr). Das Beispielauto mit Benzinmotor verbraucht 6l/100km (Normverbrauch), diese kosten 1'440.- CHF/Jahr (900l à 1.60 CHF/l). Das Elektrofahrzeug benötigt 19.4 kWh/100km und diese kosten ca. 600 CHF/Jahr (2’910kWh à 20.5 Rp/kWh). Damit suggeriert der Autor, dass die Stromkosten weniger als die Hälfte der Treibstoffkosten für das Auto mit Benzinmotor ausmachen würden. Für einen derartigen Vergleich muss jedoch beachtet werden, dass der Benzinpreis auch Steuern in der Höhe von ca. 85 Rp/Liter (Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer u.a.; vgl. EZV März 2021) beinhaltet (Grafik 1). Diese Steuern machen für das erwähnte Auto mit Benzinmotor 765 CHF pro Jahr aus. Ohne die Steuern und Abgaben würden die Treibstoffkosten nur noch 675 CHF/Jahr betragen (zuzüglich MwSt), d.h., nur wenig mehr als die Stromkosten für das Elektroauto von 600 CHF/Jahr. Dabei sind in diesen Stromkosten die anteiligen Kosten für die Ladestation noch nicht eingerechnet.


Grafik 1

Belastung des Benzins mit Steuern und Abgaben in Rp pro Liter

Die wahre Bedeutung dieser Tatsache zeigt sich erst bei einer Gesamtbetrachtung. Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) betrugen die Gesamteinnahmen aus den Mineralölsteuern im Jahr 2018 total 4.6 Mrd. CHF. Davon flossen 1.3 Mrd. CHF in die Bundeskasse und 3.3 Mrd. in den Strassenverkehr (Grafik 2).


Grafik 2

Verwendung der Einnahmen aus der Mineralölsteuer 2018

In Zukunft werden auch die Autofahrer mit Elektroautos ihren Anteil an diesen Steuern aufbringen müssen. Dies bedeutet, dass für das Elektroauto mindestens der gleiche Steuerbetrag wie für das gleichwertige Benzinauto bezahlt werden muss. Umgerechnet auf die kWh des Elektroautos ergibt dies, grob geschätzt, Steuern und Abgaben in der Höhe von ca. 26.3 Rp/kWh. Der Strom für das Elektroauto müsste dann nicht 20.6 Rp/kWh sondern ca. 47 Rp./kWh kosten, d.h., mehr als doppelt so viel, wie im Zeitungsartikel angenommen.


Grafik 3

Wenn das vergleichbare Elektroauto in naher Zukunft effizienter werden sollte und statt 19.4 beispielsweise nur 16 kWh/100km benötigt (vgl. z.B. VCS-Ratgeber vom März 2020), dann werden die Steuern und Abgaben 31.9 Rp/kWh ausmachen und an der Ladestation würde der Strom über 50 Rp/kWh (52.4) kosten. (Grafik 3).

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