Marktsystem  (Erläuterungen)

Asymmetrische Information

 

Wir leben nicht in einer idealen Welt. So können wir nicht davon aus-gehen, dass auf den Märkten Käufer und Verkäufer vollständig über die Qualität der auf dem Markt gehandelten Güter und Dienstleistungen informiert sind. Bei vielen geschäftlichen Beziehungen ist der Informa-tionsstand bei Anbieter und Nachfrager asymmetrisch. Auch gibt es Märkte (wie z.B. Arbeitsmärkte, Märkte für Gebrauchtwagen, Versiche-rungsmärkte oder verbriefte Hypotheken), auf denen es sehr aufwändig und kostspielig oder sogar unmöglich ist, genaue Informationen über die Qualität der Güter oder Leistungen zu erhalten.

 

 

Beispiel Autohändler – negative Auslese

Der Autohändler kennt in der Regel die Qualität seines Produktes besser als sein Kunde. Erfahrungen aus früheren Jahren zeigen, dass ohne weitere Regelungen der Occasionhändler für ein gutes Fahrzeug nicht mehr einen fairen Preis lösen kann, weil die Kunden bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben und deshalb auch ein gutes Fahrzeug als schlechter einstufen, als es tatsächlich ist. Die schlechten Occasion-fahrzeuge verdrängen so die guten auf dem Markt. Ökonomen sprechen in diesem Fall von negativer Auslese. Der Markt versagt. Die ungenü-gende Information der Kunden wird heute korrigiert durch Garantien, die die Autohändler gegenüber den Käufern abgeben müssen, durch neutrale Fahrzeugprüfungen und durch Datenbanken (z.B. Eurotax).

 

Beispiel Versicherung – Moral Hazard

Die Anbieter von Diebstahlversicherungen kennen ein anderes Phänomen der asymmetrischen Information. Eine Person kann als Versicherungs-nehmerin den Eintritt des unerwünschten Ereignisses beeinflussen. Bei-spielsweise fährt eine Person mit dem Fahrrad zum Bahnhof, zur gleichen Zeit fährt der Zug ein, das Fahrrad wird, ohne es abzuschliessen, rasch in den Ständer gestellt, um den Zug noch zu erreichen. Bei der Rückkehr am Abend ist das Velo nicht mehr im Ständer. Es erfolgt ein Meldung bei der Polizei und bei der Versicherung. Die Frage, ob das Fahrrad gesichert war, wird mit Ja beantwortet; vor lauter Aufregung weiss man es ja nicht mehr so genau. Die Versicherung soll nun bezahlen. Dieses Phänomen wird mit „Moral Hazard“ bezeichnet. „Moral Hazard“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „Mangel an Anreiz zu Sorgfalt“. Dieses Phänomen ist auch Krankenkassen, Brandversicherungen, Berufshaftpflichtversicherungen und andern Unternehmen bekannt. Der Markt bietet deshalb den interessierten Nachfragern keinen vollständigen Versicherungsschutz, sie müssen einen Selbstbehalt übernehmen.

 

Manager und Banken

Auch der Manager einer Unternehmung kennt den Markt, die Kosten, die Wettbewerbssituation, die Investitionsmöglichkeiten besser als die Aktio-näre und deren Vertreter, die Verwaltungsräte. Es besteht auch hier die Gefahr von Moral Hazard. Deshalb werden Arbeitsverträge abgeschlos-sen, die Rechte und Pflichten wie auch Entschädigungen und Beloh-nungen enthalten. Aber die Aktionäre können sich nicht gegen Verluste aus unsorgfältiger Geschäftsführung versichern. Ähnlich ist es bei Ge-schäftsbanken, wenn diese damit rechnen können, dass der Staat sie in einer Wirtschaftskrise retten wird, dann wird auch der Anreiz zu Sorgfalt reduziert; „Moral Hazard“ tritt ein.