• Ulrich Fiechter

Müssen wir heute eine Deflation befürchten?


Es gibt in letzter Zeit vermehrt Politiker und Journalisten, die vor der Gefahr einer Deflation warnen. Möchten diese Warner, dass die Geldmenge weiter ausgeweitet würde? Dies wäre ein äusserst fragwürdiges Verhalten. Deflation tritt nämlich dann auf, wenn eine Notenbank, beispielsweise die Schweizerische Nationalbank, das Geldangebot unter den langfristig notwendigen Bedarf senken und über längere Zeit noch weiter reduzieren würde. Dann wäre es denkbar, dass infolge dieser Verknappung die Zinsen steigen und der Konsum sowie die Produktion sukzessive zurückgehen. Dies könnte bewirken, dass letztlich auch das Preisniveau stetig sinken würde.

Aber heute befindet sich unsere Wirtschaft in der gegenteiligen Lage. In den letzten Jahren wurde ungeheuer viel Geld geschöpft. Was sich in den historisch äusserst tiefen Zinsen spiegelt. Eine Folge davon ist, dass die Geschäftsbanken mehr Kredite gewähren. Dadurch steigt die Nachfrage nach Vermögenswerten. Dies bewirkt auch einen Anstieg der Preise für Immobilien und Aktien. Das menschliche Verhalten ist häufig nicht rational. Es verstärkt deshalb die durch andere Faktoren ausgelösten Schwankungen auf den Märkten. Weil andererseits der Schweizer Franken schon seit ein paar Jahren höher bewertet wird, können wir Güter und Dienstleistungen günstiger importieren. Dies hat zu einer tieferen Inflationsrate bei Konsumgütern im Inland beigetragen, was die Konsumenten freut.

Die Erfahrung zeigt, dass die Geschäftsbanken aufgrund von Veränderungen in Politik und Wirtschaft jederzeit zum Schluss kommen können, dass die Risiken für die Kreditgewährung steigen. Sie werden zurückhaltender bei der Gewährung neuer Kredite und fordern eine raschere Amortisation bestehender Kredite. Kreditkunden müssen danach eventuell Vermögenswerte verkaufen und ihre Konsumausgaben reduzieren. Die Preise für Immobilien und Aktien gehen wieder zurück, aber auch die Preise für Konsumgüter können unter diesen Umständen sinken. Dies ist eine andere Entwicklung, als die oben erläuterte Deflation.

Aufgrund dieser Tatsachen ist es nicht nachvollziehbar, weshalb heute das Gespenst einer Deflation herauf beschworen wird. Wir müssen zwar eine Korrektur der jüngsten, möglicherweise übertriebenen Entwicklungen erwarten. Aus den erwähnten Gründen, wäre es jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zum Wohle unserer Volkswirtschaft, wenn nun die bestehende Geldmenge noch stärker ausgeweitet würde, um der fälschlicherweise befürchteten Gefahr einer Deflation zu begegnen.

#Deflation #Inflation